Warum ich die Finger vom Bitcoin lasse

Gerade hat Bitcoin eine Zitterpartie überstanden: das segwit Update. Erleichterung in der Community. Aber gibt es für die Tiefenentspannung und den damit verbundenen Kursanstieg tatsächlich einen Grund? Es stehen die nächsten Updates an und die sind absehbar nicht die letzten. Hat Bitcoin überhaupt das Zeug dazu stabil zu werden? Und was, wenn nicht.

Die Bitcoin Blockchain

Eigentlich wollte ich mich nur über Anwendungsmöglichkeiten der Blockchain informieren und fand dazu einen Vortrag vom CCC von Niklas "vimja" Hofer. Entwickler haben selten einen Marketingblick und sind deshalb auch selten bereit Probleme einfach wegzuwischen. Schließlich müssen sie diese direkt oder indirekt früher oder später lösen. Und die Blockchain von Bitcoin hat ein paar ganz gravierende ungelöste Probleme.

Transaktionskosten

Eine echte Zwickmühle entsteht durch die Transaktionskosten. Auch wenn immer behauptet wird, dass die Blockchain sehr niedrige Kosten erzeugt, ist es bei Bitcoin eben nicht so. Das Rätsel zur Erzeugung eines neuen Blocks ist so schwer, dass es wirklich immenser Rechenleistung bedarf, die immense Kosten verursacht. Die Kosten werden derzeit durch neu erzeugte Bitcoins gedeckt. In ein paar Jahren müssen die Kosten aber durch Transaktionsgebühren gedeckt werden. Obwohl marginal, sind die Transaktionsgebühren heute schon so hoch, dass Bitcoin Transaktionen wirtschaftlich kaum Sinn machen.

Das Rätsel leichter zu machen, ist nicht möglich. Die Sicherheit von Bitcoin basiert auf dem Proof-of-Work, also alleine darauf, dass man immense Rechenpower braucht, um das System zu manipulieren. Macht man das Rätsel einfacher, ist Bitcoin nicht mehr sicher. Man muss es hingegen immer schwerer machen, was also immer höhere Kosten verursacht.

Die Lösung ist also die Blockgröße zu erhöhen, so dass mit mehr Transaktionen auch mehr Geld durch die Gebühren eingesammelt wird. Offenbar ist das nicht so einfach und erfordert ein Update. Und es erfordert immer wieder Updates, denn die Blockgröße muss ja immer weiter erhöht werden um die Kosten zu tragen, weil das Rätsel immer schwerer werden muss.

Der Bitcoin gehört den Chinesen

Um die Bitcoin Blockchain zu manipulieren, bedarf es mindestens 50% der Rechenleistung aller beteiligter Knoten. Hat man diesen Wert erreicht, ist es sehr leicht, denn man kann die Kette schneller erweitern, als alle anderen und die längste Kette ist die gültige.

Fatal daran ist, dass man dachte, dass niemand soviel Rechenleistung vereinen kann. Offenbar steht aber bereits mehr als die Hälfte der Rechenleistung in China. Zudem wird die Hardware in China gefertigt. Ein Exportstop würde das Bitcoin also in jedem Fall innerhalb kurzer Zeit unter chinesische Kontrolle bringen.

Vielleicht haben die Chinesen kein Interesse an der Manipulation. Wer ein Business von Bitcoin abhängig macht, sollte sich aber bewusst sein, dass sie es könnten. Jederzeit.

Kursmanipulationen

Bitcoin ist eine Währung. Genauso wie Euro, Gold oder die Amazon-Aktie. Der Wert wird durch die Marktteilnehmer bestimmt. Das ist beim Euro nicht anders. Und auch beim Bitcoin gibt es eine Marktkapitalisierung: ein höchst theoretischer Wert, der den Gegenwert aller Bitcoins in Euro ausdrückt. Würde aber jemand versuchen sehr viel Bitcoins umzutauschen, sinkt der Kurs. Der Wert ist also nur gegeben, solange alle den Bitcoin behalten wollen.

Gegen Manipulation eines Währungs- oder Aktienkurses gibt es Gesetze. Trotzdem wird manipuliert. Wieso sollte das beim Bitcoin anders sein, noch dazu wo das Geschäft völlig anonym und unreglementiert abläuft?

Blasen platzen

Blasen haben die Eigenschaft, dass sie ganz sicher irgendwann platzen. Bei einer Aktie kann ein Peak im Kurs morgen wieder vergessen sein. Es sei denn, der Kurs war künstlich aufgebläht und ist wie eine Blase geplatzt.

Beim Bitcoin stellt sich eigentlich gar nicht die Frage, ob es sich hierbei um eine Blase handelt. Der Bitcoin Kurs verhält sich wie eine Blase, denn das System basiert auf dem Bitcoin-Kurs. Nur bei hohem Kurs rechnet sich der Aufwand für den Proof-of-Work. Sinkt der Kurs, werden die Miner ihre Rechner ausschalten, um die Stromkosten zu sparen. Geschieht das massenhaft, können keine Blöcke mehr errechnet werden und das System bricht zusammen.

Bitcoin ist ein Spiel, dass einen immer höheren Einsatz erfordert. Bei einem Schneeballsystem bezahlen die Letzten in der Kette. Bitcoin ist sicherlich keine langfristige Anlagemöglichkeit.

Die Zukunft der Blockchain

Sollte die Bitcoin Blase platzen, wird es das Vertrauen in Kryptowährungen erschüttern. Da die Masse die Bitcoin Blockchain nicht versteht, werden sie auch die Sicherheit anderer Blockchains nicht verstehen. Eine Währung basiert auf Vertrauen und das kann man eben verspielen.

Bitcoin ist nicht die Blockchain. Aber es zeigen sich die Schwächen des Proof-of-Work. Wenn ein System auf anonymer Rechenleistung basiert, kann es irgendwann manipuliert werden. Wir benötigen also andere Mechanismen die Blockchain zu validieren. Es gibt Vorschläge, wie den Proof-of-Stake, aber bisher scheint keiner unmanipulierbar. Geht es um viel Geld, werden selbst unwahrscheinliche Szenarien irgendwie wahrscheinlich.

Das Problem hat man für das Internet bereits belöst: für die sichere Authentifizierung einzelner Rechner benutzt man Zertifikate, die von Certified Authorities (CA) ausgestellt werden. Jeder kann Zertifikate ausstellen und selbst CA werden. Jeder entscheidet selbst, welchen CAs er vertraut. Oder man vertraut dem Browserhersteller, der sich darum kümmert, welche CA vertrauenswürdig sind. Diese CAs könnten dann unter sich den Proof-of-Stake verhandeln.

Eine solche Infrastruktur ist nicht mehr gänzlich anonym und auch nicht mehr völlig unabhängig. Aber sie gewährleistet Stabilität und Sicherheit. Alles hat seinen Preis.

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